Giro d'Italia 2017 - 18. Etappe

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17. Etappe Do 25. Mai: 20. Etappe 19. Etappe

Zielankunft in St. Ulrich in Gröden: ca. 17:12 Uhr

Van Garderen schlägt Landa in Dolomiten

Tejay van Garderen (BMC) gewann im Grödner Tal die 18. Etappe des Giro d'Italia 2017, einen 137 Kilometer kurzen Ritt mit 5 kategorisierten Bergen in den Dolomiten. Wie schon 2 Tage zuvor ließ sich Mikel Landa (Sky) im Zweiersprint gegen einen auf dem Papier schwächeren Sprinter in der letzten Kurve auf der Innenbahn übertölpeln - und musste wieder mit dem 2. Platz Vorlieb nehmen.

Unter den Klassementfahrern wehrte der Gesamtführende Tom Dumoulin (Sunweb) im Rosa Trikot mehrere Attacken von Nairo Quintana (Movistar) und Vincenzo Nibali (Bahrain) erfolgreich ab. Im letzten Anstieg nach Pontives versuchte Dumoulin sogar, die letzte Attacke von Nibali zu kontern.

Dumoulin neutralisiert Quintana und Nibali

Danach schauten sich die Top-3 der Gesamtwertung, also Dumoulin, Quintana und Nibali an, so dass Thibaut Pinot (FDJ) mit Domenico Pozzovivo (AG2R) entkam und fast noch zu van Garderen und Landa auffuhr. Beide holten 58 Sekunden auf die Top-3 heraus.

Hinter Pinot und Pozzovivo belegte Jan Hirt (CCC) den 5. Platz. Er stammte wie van Garderen und Landa aus der Fluchtgruppe des Tages. Auch Sakarin (Katusha), Kruijswijk (LottoNL) und Mollema (Trek) kamen mit Vorsprung vor Dumoulin, Quintana und Nibali ins Ziel. Verlierer des Tages war Bob Jungels (Quick Step), der früh zurückfiel und das weiße Trikot des besten Jungprofis um 18 Sekunden an Adam Yates (Orica) weiterreichen musste.

Ergebnis
1. Tejay van Garderen (USA) - BMC 3:54:04
2. Mikel Landa (ESP) - Sky gl.Zeit
3. Thibaut Pinot (FRA) - FDJ +0:08
4. Domenico Pozzovivo (ITA) - AG2R La Mondiale gl.Zeit
5. Jan Hirt (CZE) - CCC-Sprandi +0:11
6. Ilnur Sakarin (RUS) - Katusha +0:24
7. Steven Kruijswijk (NED) - LottoNL-Jumbo +0:34
8. Bauke Mollema (NED) - Trek-Segafredo gl.Zeit
9. Tom Dumoulin (NED) - Sunweb +1:06
10. Nairo Quintana (COL) - Movistar gl.Zeit
11. Vincenzo Nibali (ITA) - Bahrain-Merida gl.Zeit
12. Adam Yates (GBR) - Orica-Scott +1:12
13. Sébast. Reichenbach (SUI) - FDJ gl.Zeit
14. Dario Cataldo (ITA) - Astana +1:48
15. Davide Formolo (ITA) - Cannondale-Drapac gl.Zeit
16 Winner Anacona (COL) - Movistar +2:20
17. Joseph Dombrowski (USA) - Cannondale-Drapac gl.Zeit
18. Hubert Dupont (FRA) - AG2R La Mondiale +3:06
19. Bob Jungels (LUX) - Quick Step Floors +3:55
20. Andrey Amador (CRC) - Movistar gl.Zeit
...
24. Maxime Monfort (BEL) - Lotto-Soudal +5:06
25. Patrick Konrad (AUT) - Bora-Hansgrohe +5:06
27. Jan Polanc (SLO) - UAE-Emirates +6:57
- 165 Fahrer klassiert.
DNF Jasper de Buyst (BEL) - Lotto-Soudal

Pinot macht Zeit auf Top-3 gut

Die Abstände zwischen Dumoulin, Quintana und Nibali änderten sich durch die 18. Etappe nicht: 31 Sekunden zwischen Dumoulin und Quintana und 41 Sekunden zwischen Quintana und Nibali. Dagegen rückten Pinot und auch Sakarin und Pozzovivo dem Podest wieder erheblich näher.

Als Pinot & Co. über den Bergpreis von Pontives hinweg ausrissen, sahen Quintana und Nibali die Verantwortung beim Mann im Rosa Trikot. Insbesondere Nibali vergaß wohl dabei, dass Pinot so in der Gesamtwertung auf 24 Sekunden an ihn heranrückte.

Gesamtwertung
1. Tom Dumoulin (NED) - Sunweb 80:00:48
2. Nairo Quintana (COL) - Movistar +0:31
3. Vincenzo Nibali (ITA) - Bahrain-Merida +1:12
4. Thibaut Pinot (FRA) - FDJ +1:36
5. Ilnur Sakarin (RUS) - Katusha +1:58
6. Domenico Pozzovivo (ITA) - AG2R La Mondiale +2:07
7. Bauke Mollema (NED) - Trek-Segafredo +3:17
8. Steven Kruijswijk (NED) - LottoNL-Jumbo +5:48
9. Adam Yates (GBR) - Orica-Scott +7:06
10. Bob Jungels (LUX) - Quick Step Floors +7:34
11. Davide Formolo (ITA) - Cannondale-Drapac +7:59
12. Maxime Monfort (BEL) - Lotto-Soudal +11:16
13. Jan Polanc (SLO) - UAE-Emirates +12:24
15. Dario Cataldo (ITA) - Astana +14:08
14. Andrey Amador (CRC) - Movistar +14:18
16. Jan Hirt (CZE) - CCC-Sprandi +18:07
17. Sébast. Reichenbach (SUI) - FDJ +25:26
19. Hubert Dupont (FRA) - AG2R La Mondiale +30:27
18. Patrick Konrad (AUT) - Bora-Hansgrohe +30:50
20. Franco Pellizotti (ITA) - Bahrain-Merida +36:49
21. Tejay van Garderen (USA) - BMC +39:45
22. Mikel Landa (ESP) - Sky +40:46

Berglandschaft zum Verlieben

Die 18. Etappe bot sportlich eigentlich schon genug Unterhaltung. Doch der wahre Star des Tages war für den Zuschauer die Landschaft der Dolomiten. Die vielleicht schönste Gegend im europäischen Binnenland präsentierte sich bei fast wolkenfreiem Wetter von ihrer besten Seite.

Den ersten Bergpreis des Tages, den Pordoipass, erreichten Diego Rosa (Sky), Natnael Berhane (Dimension Data) und Joey Rosskopf (BMC) zuerst. Eine größere Verfolgergruppe war oben 25 Sekunden zurück, und das Hauptfeld um die Klassementbesten auch nur 50 Sekunden.

In der Abfahrt über Arabba schlossen Siwtsow (Bahrain), Cataldo (Astana), van Garderen (BMC), Rolland, Dombrowski, Villella (alle Cannndale), Hirt (CCC), Foliforow (Gazprom), Amador, Anacona (beide Movistar), Plaza (Orica), Fraile (Dimension Data), Landa, Deignan (beide Sky), Pedersen und Stuyven (beide Trek) zum Trio auf.

Hoch zum Valparolapass übernahm das Team von Adam Yates die Tempoarbeit im Hauptfeld, das daraufhin zu einer großen Gruppe schrumpfte. Am Valparolapass betrug der Rückstand zur Spitze gut 2 Minuten. Fraile übersprintete Landa deutlich für die maximalen Bergpunkte.

Das blaue Bergtrikot war Landa aber nicht streitig zu machen. Im weiteren Etappenverlauf baute er seinen großen Vorsprung noch weiter aus, auch weil Fraile zurückfiel.

Bergwertung
1. Mikel Landa (ESP) - Sky 189 p.
2. Luis Leon Sanchez (ESP) - Astana 108
3. Omar Fraile (ESP) - Dimension Data 104
4. Nairo Quintana (COL) - Movistar 64
5. Pierre Rolland (FRA) - Cannondale-Drapac 56
6. Igor Anton (ESP) - Dimension Data 56
7. Tom Dumoulin (NED) - Sunweb 51
8. Diego Rosa (ITA) - Sky 49
9. Jan Polanc (SLO) - UAE-Emirates 46

Visier hoch am Grödner Joch

Denn im Anstieg zum Grödner Joch wurde es sowohl in der Spitzengruppe als auch im Hauptfeld ernst. Die Spitzengruppe verkleinerte sich auf Landa, Rosa, Dombrowski, Villella, Hirt, Berhane und van Garderen. Nur Amador, Anacona und Siwtsow fielen nicht zurück, weil sie die Kräfte verließen, sondern weil sie eine Großoffensive ihrer Kapitäne Quintana und Nibali vorbereiteten.

54 Kilometer vor dem Ziel attackierte Quintana und fuhr 500 Meter später zu Amador auf, der Quintana nun zog. Mit Dumoulin war da nur noch die Crème de la Crème unterwegs - außer Jungels, der bereits abreißen lassen musste.

Dann attackierte auch noch Nibali und erhielt Unterstützung vom zurückfallenden Cataldo, eigentlich nur ein Teamkollege aus den beiden letzten Jahren. Nibali fuhr zu Quintana auf, und von vorne trafen als Helfer außerdem Anacona für Quintana und Siwtsow für Nibali ein: Eine brandgefährliche Situation für Dumoulin und sein Rosa Trikot.

Am Grödner Joch hatte das Septett um Landa und van Garderen 50 Sekunden Vorsprung vor der Gruppe um Quintana und Nibali. Und gerade rechtzeitig vor dem Bergpreis hatte Dumoulin die Lücke zu Quintana und Nibali wieder gestopft - mit Pinot, Pozzivivo, Mollema, Kruijswijk und Yates am Rad. Isoliert von sämtlichen Helfern erstickte Dumoulin die Offensive seinen Gegner, als diese gerade erst ins Rollen gekommen war.

In der Abfahrt vom Grödner Joch entstand eine Lücke hinter Plaza, dessen Kapitän Yates und Quintana. Dumoulin führte erst selbst nach, blieb dann aber cool und ließ Nibalis Helfer Siwtsow die Lücke schließen. Von hinten kamen ein paar Helfer zurück, darunter Sébastien Reichenbach (FDJ) für Thibaut Pinot.

Im Grödner Tal, am Abzweig zum Panidersattel, war der Rückstand zur Spitze vor einer letzten Runde über den Talort Waidbruck auf eine halbe Minute gesunken. Nibali, Siwtsow, Pozzovivo, Cataldo, Pinot, Reichenbach, Quintana, Amador, Anacona, Yates, Plaza, Sakarin, Kruijswijk, Dumoulin und Mollema gingen dann aber 55 Sekunden hinter Landa, Dombrowski, Hirt und van Garderen über den Panidersattel.

Aus der Spitzengruppe war Rosa nach getaner Arbeit für Landa zurückgefallen. Die ebenfalls zurückgefallenen Villella und Berhane schlossen in der Abfahrt wieder zum Spitzenquartett auf. Noch immer bergab gelang Landa und van Garderen die Vorentscheidung für den Etappensieg, als sie ihre 4 Mitstreiter abhängten.

Letzte Versuche von Quintana und Nibali

Am tiefsten Punkt, 13 Kilometer vor dem Ziel, lag der Vorsprung des Duos vor der Gruppe ums Rosa Trikot bei unverändert einer knappen halben Minute. Amador führte die Hauptgruppe in den letzten Anstieg nach Pontives. Als noch rund 7,5 Kilometer zu fahren waren, attackierte Anacona als Startrampe für die nun folgende Attacke von Quintana, der zu seinem Teamkollegen auffuhr.

Der bis dahin eher unauffällige Reichenbach schloss die Lücke zu Quintana mit Pinot, Dumoulin, Pozzovivo, Kruijswijk, Yates, Sakarin, Mollema und Nibali am Rad. Eine letzte Attacke von Nibali nahm Dumoulin ernster als die von Quintana, obwohl Nibalis Rückstand im Gesamtklassement größer ist. Yates fiel zurück.

Dann attackierte Dumoulin 2-mal selbst, beide Male pariert von Quintana. Vorne hatte van Garderen kurzzeitig Landa abgehängt. Am Bergpreis hatten beide gemeinsam 41 Sekunden Vorsprung vor der Gruppe um Dumoulin. Dazwischen hing mit 27 Sekunden Rückstand nur noch Hirt.

Psycho-Spiel der Podest-Kandidaten

Es folgten die bemerkenswerten letzten gut 4 Kilometer, auf denen Pinot, Pozzovivo, Sakarin, Mollema und Kruijswijk entkamen, weil sich Dumoulin, Quintana und Nibali nicht grün waren. Nach der Etappe wünsche sich Dumoulin im Interveiw deswegen etwas hochmütig, dass Quintana und Nibali an den ausstehenden 3 Giro-Etappe noch vom Podest verdrängt werden mögen.

Nicht nur in der Gesamtwertung rückte die Spitze enger zusammen. Auch in der Jungprofi-Wertung wurde es noch enger unter den Top-3, die nur durch 53 Sekunden getrennt ist. Yates als neuer Träger des weißen Trikots verdrängte den bisherige Trikotträger Bob Jungels eigentlich um 18 Sekunden. Daraus wurden 28 Sekunden, weil Jungels wegen Festhaltens am Auto 10 Sekunden Strafe erhielt. Und auch Davide Formolo ist noch nicht geschlagen ums weiße Trikot.

Jungprofi-Wertung
1. Adam Yates (GBR) - Orica-Scott 80:07:54
2. Bob Jungels (LUX) - Quick Step Floors +0:28
3. Davide Formolo (ITA) - Cannondale-Drapac +0:53
4. Jan Polanc (SLO) - UAE-Emirates +5:18
5. Simone Petilli (ITA) - UAE-Emirates +53:52
...
7. Gregor Mühlberger (AUT) - Bora-Hansgrohe +1:24:12
30. Fernando Gaviria (COL) - Quick Step Floors +3:26:10

Um den Etappensieg ging es zwischen 2 Fahrern, die beim 100. Giro d'Italia ursprünglich auf Gesamtwertung gefahren waren: Auf dem Pflaster von St. Ulrich Landa kopierte seinen Fehler der 16. Etappe und ließ van Garderen die Türe offen. Der 28-jährige US-Amerikaner fuhr so den ersten Tagessieg bei einer großen Rundfahrt ein.


Vorschau auf diese Etappe: Bei dieser intensiven Dolomiten-Etappe des Giro d'Italia 2017 liegt in der Kürze die Würze. Auf nur 137 Kilometern sind 3 Dolomitenpässe sowie eine abschließende Runde mit Anstiegen im Grödner Tal untergebracht. In einer erweiterten Runde um den Sellastock stehen nach dem Start im Fassatal der Pordoipass, der Valparolapass und das Grödner Joch im Profil. Es folgt die Runde durchs Grödner Tal. Der Zielort St. Ulrich wird bereits 33,5 Kilometer vor dem Ziel durchfahren. Dort folgen die Fahrer dem Abzweig zum Panidersattel und einer Abfahrt über Kastelruth tief hinunter bis Waidbruck, ehe für den Schlussanstieg nun die untere Hälfte des Grödner Tals bis St. Ulrich genommen wird. Diese 18. Etappe an Christi Himmelfahrt ist eine Etappe mit Action-Garantie.

Nach dem letzten Bergpreis, der 4 Kilometer vor dem Ziel abgenommen wird, gibt es etwa an der 500-Meter-Marke noch einmal einen kurzen Stich mit 13 %.

17. Etappe Do 25. Mai: 20. Etappe 19. Etappe

Giro d'Italia 2017

Giro d'Italia 2017
18. Etappe (137,0km)
von Moena im Fassatal
nach St. Ulrich in Gröden

-km123 13:31 Canazei
-km111 14:01 Pordoipass
-km80 14:56 Valparolapass
-km66 15:15 Stern
-km52 15:46 Grödner Joch
-km29 16:21 Panidersattel
-km4 17:05 Pontives

Etappensieg:
Tejay van Garderen (USA)

Rosa Trikot:
Tom Dumoulin (NED)

Punktewertung:
Fernando Gaviria (COL)

Bergwertung:
Mikel Landa (ESP)

Bester Jungprofi:
Adam Yates (GBR)

Teamwertung:
Movistar

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